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Rezensionen

( hier werden Rezensionen von Besuchern des "Bermbacher  Scheunen -Spectaculums" wiedergegeben. )

 

Besondere Kreativität in Ruhezeiten

Pianist Bruce Vogt präsentiert in der Bermbacher Scheune eine spirituelle Vision von Franz Liszt

Das 200 Geburtsjahr des Komponisten Franz Liszt in diesem Jahr, war für den Kulturring Idstein in Zusammenarbeit mit Editha Roth von der Bermbacher Scheune ein guter Anlass einen Klavierabend mit Werken des Jubilars anzubieten. Der kanadische Pianist Bruce Vogt war für die vielen Besucher dieser Veranstaltung kein Unbekannter, denn mit einigen ähnlichen Veranstaltungen hat er sich in den letzten Jahren einen hervorragenden Namen gemacht. 

Als pianistisches Wunderkind in ganz Europa gefeiert, erschöpft und entkräftet von den vielen Tourneen, hat sich Liszt immer wieder im laufe seines Lebens aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Die Presse hielt ihn zeitweilig sogar für tot. Liszt wendet sich in diesen Ruhezeiten der sinnlich-religiösen Komposition zu. 

Hier setzte Bruce Vogt an und eröffnete diesen Abend mit den wenig gespielten „Harmonies poétiques et religieuses“ Schon mit den ersten Tönen gelang es Vogt, eine klanglich sensible und dennoch packende Deutung dieser tiefgründigen Komposition aufzubauen. Bei der anschließenden Franziskus-Legende lotete Vogt jeden Akkord nuanciert aus, nichts dem Zufall überlassend, Musik die von den Zuhörern intensive Teilnahme forderte.   

Entspannend und erfrischend die „Wasserspiele der Villa d´Este“, eines der späten Klavierstücke, die bereits die Klangsprache eines Debussy und Ravel vorwegnehmen. Mit brillanten und glitzerndem Laufwerk zaubert Vogt imaginäre Brunnenspiele, mit viel Ausdruckskraft wurde sein Publikum förmlich in den italienischen Garten  versetzt, um dem lautmalerischen Plätschern der Wasserspiele zu lauschen.. 

Der selten gehörte Mephisto-Walzer ohne Tonart erzeugt eine erkennbare, diabolische Atmosphäre mit grummelnden Bassfiguren und wuchtigen Akkorden, führt weiter zum Nocturne „Schlaflos ! Frage und Antwort!“ mit unklaren fragenden harmonischen aufwühlenden Wendungen, heilend die Ordnung in den Harmonien als Antwort. 

Fesselnd von Vogt zelebriert, das schlichte „Resignazione“ mit anrührend trauriger und eindringlicher Melodie. Der grübelnde und nachdenkliche Liszt  assoziiert mit dieser Komposition ausweglose Abgründigkeit.Am Ende steht das tröstende „Bénédiction de Dieu dans la Solitude“  ein Exempel für die Befreiung von Zweifel und Hoffnungslosigkeit. Nicht den lauten und rauschenden Liszt hat Bruce Vogt präsentiert, sondern eine wohltuend facettenreiche spirituelle Vision dieser Musikerpersönlichkeit.

 

von Kurt Bethge-Krafft  21. Dez. 2011 Wi.-Tagblatt/ Idsteiner Zeitung .

 

 

Zwischen Sehnsucht und Hoffnung

Liederabend mit Béela Müller und Konstantin Arro

Béela Müller, Sopran und der Pianist Konstantin Arro begeisterten in der Bermbacher Scheune mit einem Liederabend, wie man es heutzutage kaum noch erleben kann. Auch wenn der Verein „Bermbacher Scheunen-Spectaculum“ nicht mehr da ist, so ist die Bermbacher Scheune weiter ein Refugium für Kunst- und Kulturaustausch. 

Lieder von Robert Schumann, Gustav Mahler und Richard Wagner standen im Mittelpunkt, musikalische Beiträge mit hohem Anspruch an die ausführenden Musiker. 

Die schwärmerische und oftmals verklärende  Literatur des 19.Jahrhunderts, der Dichter Joseph von Eichendorf gilt hier als einer der bedeutenden Vertreter, war für Robert Schumann eine gute Möglichkeit sich wieder dem Komponieren von Liedern zuzuwenden. Nach der Zusage, Clara Wieck heiraten zu dürfen, entstand der Liederzyklus „Liederkreis“ op. 39 nach Texten von Joseph von Eichendorf. 

Beéla Müller, als Opern- und Konzertsängerin mit sonst größeren zu füllenden Räumlichkeiten konfrontiert, passte ihre klare und farbenreiche Stimme dem Raum in der Bermbacher Scheune an. Singend erzählend mit flexibler Tonfärbung, bestechender Intonation und hervorragender Textverständlichkeit, wurden die unterschiedlichen Stimmungen der Lieder herausgearbeitet. Mit höchster musikalischer Präzession, eindrucksvollen variierender Anschlagskultur und dynamischer Dichte, unterstrich  Konstantin Arro in kongenialer Weise mit seinen profunden Kenntnissen als Liedbegleiter am Klavier, die so unterschiedlichen Charaktere der Liedbeiträge. Liedpassagen wie „Es ist schon spät, es ist schon kalt.“ oder „So still ist´s nicht draussen im Schnee...“ ließen die Blicke der elektrisierten Besucher in den schneebedeckten romantischen Garten der Bermbacher Scheune schweifen . 

Ganz besonders einprägend dann drei Lieder aus „Des Knaben Wunderhorn“ des genialen Tonmalers Gustav Mahler. Wer diese Lieder als Orchesterfassung kennt, musste in der Klavierfassung von Gustav Mahler keine Angst vor Einbußen der Hörgewohnheit haben. Mit traumwandlerischer Sicherheit verstanden  die Musiker gleichsam, den Liedern ein tiefdeutendes Gepräge zu geben. Überraschende Wendungen ganz besonders bei „ Wo die schönen Trompeten blasen...“ mit Beschreibung eines verzweifelten jungen Mannes, der im Morgengrauen von seiner Liebsten träumt. 

Richard Wagners „Wesendoncklieder“ nach Gedichten von Mathilde Wesendonck, bildeten den Höhepunkt des Abends. Mit diesen Liedern bringt Wagner entscheidend die Musikgeschichte voran. Kühne Rückungen bei harmonischen Wendungen und Themeneinfälle, die sich später in seiner Oper „Tristan und Isolde“ wiederfinden, unterstreichen einmal mehr die Genialität des Komponisten. Wie allen Komponisten seiner Zeit eigen, vertonte Wagner gerne Texte dem romantischen Ideal der Naturbeschreibung und nicht selten wirre Träume in Tongemälde um. Noch einmal mit viel Empathie,  zelebrierte das vorzüglich eingespielte Duo, mit differenzierten Gestaltungselementen, ganz besonders bei den Liedern „Schmerzen“ und „Träume“ , musikalische Delikatessen.   Das Publikum verabschiedete sich mit lautstarkem Applaus, forderte noch eine Zugabe heraus, bevor man die exzellenten Musiker mit dem Wunsch „Kommt wieder!“ entließ.

von Kurt Bethge-Krafft  14. Dez. 2010 Wi.-Tagblatt/ Idsteiner Zeitung .

 

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21.6.2009

 Wehmütiger Rückblick und letztes Konzert

mit Catherine Gordeladzes blendendem Klaviervortrag in der Scheune

-rt WALDEMS-BERMBACH  Die letzte Mitgliederversammlung hatte die Vereinsauflösung des „Bermbacher Scheunen-Spectaculums“ beschlossen; nach 250 Aufführungen mit rund 15.000 Besuchern, bei der bis auf den letzten Platz besetzten Abschlussveranstaltung Grund genug für die Akteure zum wehmütigen Rückblick über 28 Jahre künstlerischen Engagements, woran vor allem Editha Roth, der 2006 verstorbene Jürgen Bartholomay und Bettina Roth unermüdlich und auch unter persönlichen Opfern arbeiteten.  Ihnen galt der besondere Dank, wie Brun von Berlepsch hervorhob.  Nicht nur Konzerte verschiedenen Zuschnitts waren angeboten, sondern auch immer wieder schauspielerische Darbietungen aus klassischen, märchenorientierten und moderneren Repertoires, für die Jürgen Bartholomay die künstlerisch hochwertigen Kulissen fertigte und Editha Roth das geeignete Skript verfasste und mit „ihrer Truppe“ einübte.  So mancher Mitspieler erhielt dadurch entscheidende Anregungen.  Daneben pflegte man viele Kontakte, zu Künstlern, Darstellern, förderungsinteressierten Prominenten und Institutionen, sogar über Hessen weit hinaus;  und mancher, der in den Genuss der herzlichen Gastfreundschaft der Scheune kam, fand hier vielfältige Bereicherung, hob Eberhard Clauder in seiner kleinen „Laudatio“ hervor.  Ob sich anstelle des kulturellen und sozialen Zentrums, das die Scheune zweifelsohne nicht nur für das Idsteiner Land dargestellt hat, Ersatz finden wird, ist fraglich und am Ende nicht unabhängig von der Kulturpolitik, die hoffentlich nicht nur die finanziell einträglich erscheinenden Massenevents fördert.

Zum Abschlusskonzert hatte als persönliche Geste der Verbundenheit nochmals Catherine Gordeladze ihr Kommen zugesagt, von vielen inzwischen schon legendär gewordenen Auftritten in der Scheune bekannt.  Die als Dozentin an der Frankfurter Musikhochschule tätige Pianistin genießt in der Musikwelt erhebliches Ansehen und hat weiterhin durch Meisterkurse und stetige Konzerterfahrung hinzugewonnen.

Das wurde schon spürbar mit vier im Konzertleben wenig gehörten Beispielen aus Domenico Scarlattis – Bachs Zeitgenosse – unerschöpflichem Sonatenfundus.  Die Pianistin zeichnete nicht nur eine geschliffen-funkelnde Spielfreude nach, sondern versah diese mit jenem weichen Anschlag, der nicht nur die rhythmisch abwechslungsreichen Eigenheiten sondern auch sensible Klangseligkeit betonte. - W.A. Mozarts Sonate c-Moll (KV 457) schien von ähnlicher Polarität in Spannung gehalten.  Einerseits war das eruptiv Provokative des Eingangssatzes spürbar, aber doch in eher skizzenhaftem Stakkato gebändigt und zum Ende geprägt von beinahe zuckendem Nachbeben der Emotionen.  Im zweiten klangsinnlich geformten Satz gelangen Stellen mit betörend flageolettähnlicher Klangschönheit.  Zum Ausgang atemlose Dramatik und im Seitenthema leise klagende, von Seufzern durchsetzte Antworten.  - Chopins Walzer in As-Dur und e-Moll, zwar oft gehört, aber hier doch wieder ganz anders als auf vordergründige Wirkung bedacht, nämlich eher, als habe der Komponist in humoriger Distanz sich seinen Spaß gemacht,  „irgendwo da hinten ein paar Puppen tanzen“ zu lassen.  Verträumt und selbstbezogen nachsinnend die Mazurken, manchmal auch so, als werde in ihnen improvisierend ausprobiert.  Schließlich noch das Scherzo h-moll, beginnend mit den scharfen Akkorden und nachfolgend ein Vexierbild von atemberaubend turbulenten Läufen, die sich dramatisch verdichten und von denen sich eigentümlich das melodische Zitat eines polnischen Weihnachtliedes abhob.  - Die pianistische Überraschung – stupende reine Artistik auf der Klaviatur - geschah während der zweiten Zugabe, einem von Amerikanismen durchsetzten rasanten Klavierstück vom armenischen Zeitgenossen Tigram Mansurian.  – Langer Beifall!

Wulf Eggert

 

16.8.2008

Neue Klänge mit dem Trio "Kashu".

Raumfüllende Klangvielfalt in der Bermbacher Scheune.

Die beiden Kulturvereinigungen Bermbacher Scheunen-Spectaculum und der Kulturring Idstein präsentierten gemeinsam in der Bermbacher Scheune das Trio „Kashu“.

Das Trio mit dem Kontrabassisten Michael Bornhak, dem Pianisten Samuel Schroth und dem Oudspieler Karim Othman Hassan spielten eigene Kompositionen, maßgeschneidert aus Stoffen orientalischer Kunstmusik, Pop, Jazz und europäischer Klassik.

Die einzelnen Stücke wie „Breeze“, „Al Hadba“ oder einfach nur „Quinten“ sind erlesene kleine Meisterwerke die Elemente aus verschiedenen kulturellen Musikwelten verbindet. So wurden einfache Melodien entweder vom Kontrabass entwickelt, virtuos mit brillantem Laufwerk auf dem Oud (in der arabischen Sprache ist dieses Lauteninstrument männlich) weitergesponnen und mit ruhiger Akkordgebung auf dem Klavier zusammen geführt.

Die drei sympathischen Musiker zelebrierten ihre erlesene Musik mit raumfüllender Klangvielfalt gepaart mit fulminanter Virtuosität, eindrucksvollem Zusammenspiel und großer Farbigkeit. Die Musik des Trios ist eine Reise in verschiedene Sphären, voller lyrischer Momente, Melancholie und leisen Zwischentönen sowie ansteckendem Groove und fetzigen Funkrhythmen. Der Gesamtklang ist mehr als die Summe der einzelnen Beiträge, denn  es steckt die Philosophie dahinter, musikalisches Verständnis füreinander im Dialog zu entwickeln und die Zuhörer auf die Reise zwischen Orient und Okzident mitzunehmen.

Die anfängliche Skepsis der Zuhörer war schnell verflogen, denn dieser Musik konnte sich niemand entziehen, zu inspirierend die ständig neuen musikalischen Ideen, sowie die kammermusikalische Hochleistung der Musiker. Dieses außergewöhnliche Ensemble bereitete den Konzertbesuchern ein delikates Konzerterlebnis mit Spielfreude, Esprit, farben-prächtiger und energiegeladener Inspiration und bescheidenem Auftreten.

 Kurt Bethge-Krafft

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28.04.2008

Collagen eines Künstlerlebens

Lesekonzert mit Christoph Soldan in der Bermbacher Scheune.

Der Roman „Schumanns Schatten“ von Peter Härtling stand im Mittelpunkt an diesem Nachmittag in der Bermbacher Scheune und der international bekannte Pianist Christoph Soldan stellte Kompositionen Robert Schumanns passend neben die ausgewählten Textpassagen aus dem Roman. Das lang geheim gehaltene Tagebuch des Nervenarztes Dr. Franz Richards der Schumann bis zu seinem Tode in der Nervenheilanstalt Endenich bei Bonn behandelte beflügelte Peter Härtling zu diesem Roman.

In seiner Einführung wies Soldan auf die doch glückliche Kindheit Schumanns in seinem Elternhaus hin. Seinem Vater, einem Verlagsbuchhändler, verdankte er eine gediegene und universelle Ausbildung. Schon als Gymnasiast macht er erste schöpferische Versuche, fühlt sich aber mehr zur Literatur hingezogen. Vor allem die Werke E.T.A. Hoffmanns und Jean Pauls beeindrucken ihn.

Die von Schumann langersehnte Begegnung mit Heinrich Heine, gab Soldan Gelegenheit dem Dialog zwischen den Beiden mit lebendiger und schauspielerischer Manier Leben einzuhauchen. Mit den Papillons op. 2  deutet sich das Ende unbeschwerter Jugend an.

Brillant und schwungvoll zelebrierte Christoph Soldan die Darstellung der programmatisch mit den "Flegeljahren" aus der Feder Jean Pauls unterlegten musikalischen Schmetterlinge.

Das sechsmalige „A“ in der Schlusskadenz symbolisiert eine Kirchenuhr die das Ende des Faschingsball und Schumanns Jugend einläutet.

Zu Clara Wieck, der Tochter seines Lehrers, die als Wunderkind gefeiert wurde, fühlte er sich stark hingezogen. Aus der anfänglichen Freundschaft wurde eine Liebe und schließlich eine feste Bindung, die aber nicht zuletzt wegen Schumanns Scheitern als Pianist vom Vater Wieck heftig bekämpft wurde. In der „Novemberepisode“ krachen Schumann und Wiek aufeinander. Christoph Soldan rezitiert die Auseinandersetzung  zwischen den Kontrahenten so lebhaft plastisch und lautstark, das dem Publikum der Atem stockte.

Versöhnliches nach der Pause, denn mit viel Leidenschaft und Poesie gestaltet Soldan die Kinderszenen op.15, wobei es nach Schumanns eigenen Worten um „Rückspiegelungen eines Älteren für Ältere“ handelt, was anzeigt, dass diese Miniaturen nicht kindlich-niedlich, sondern tief ernst aufzufassen sind.

In der Düsseldorfer Zeit verschlechtert sich Schumanns Gesundheit, er wird introvertierter und zurückgezogener. Es treten grauenvolle Halluzinationen auf, die ihn peinigen. Wunderbare musikalische Ideen, die er nächtens notiert wandeln sich am nächsten Morgen in grässliche Dämonenstimmen. Er sieht keinen Ausweg mehr, und stürzt sich aus Angst wahnsinnig geworden zu sein in den eisigen Rhein. Er wird nun in die Nervenheilanstalt Endenich bei Bonn eingewiesen. Soldan ließ keine Entspannung zu, denn mit den Phantasiestücken op. 111 zeigte der Pianist die ganze Bandbreite seiner musikalischen Ausdruckskraft, die mit Leidenschaft, Besinnlichkeit und kultiviertem Klangsinn einher ging.

Härtling beschreibt in dem Schlusskapitel „Endenich“ drastisch den gesundheitlichen Verfall dieses Genies und zeigt somit auch die Schattenseiten eines Musikerlebens. „Der Dichter spricht“ die letzte Kinderszene beschloss dieses Lesekonzert, dem lange betroffenes Schweigen folgte, bevor lang anhaltender Applaus den Künstler entließ.

Kurt Bethge-Krafft

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"Ihr wart ein liebes Publikum." 
Ironische Anmerkungen des langjährigen Rezensors Wulf Eggert
(bitte antippen).

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1.7.2007

Romantisch gefaßte Variationen
Bruce Vogt spielte in der Scheune Liszt, Brahms und Schumann

-rt WALDEMS_BERMBACH Bruce Vogt, der kanadische Pianist und Dozent an der Universität Victoria, war jetzt erneut Gast der Bermbacher Scheune und bot einen hinreißenden Klavierabend.  Liszt, Brahms und Schumann standen im Mittelpunkt.

Während der Romantik ließ der Komponist das Publikum im Konzertsaal gerne am schöpferischen Prozeß teilnehmen.  Aus solchem Szenario läßt sich auch die Entstehung von Franz Liszts Opernparaphrase "Reminiscences de Norma" erklären. Bruce Vogt leitete dieses seit langem zu seinem Repertoire gehörende glänzende Werk mit unheilschwangeren alterierten Akkorden ein, ehe er die bis zur Raserei ausartende Virtuosität entfesselte - zunehmend perplex von den Zuhörern wegen der damit verbundenen frappierenden Griffartistik wahrgenommen.  Liszt war nicht frei von der Versuchung, sich als "Genie" publikumswirksam in Szene zu setzen und Vogt wußte auch das zu demonstrieren.

Wo Liszt in Vogts Darstellung die populär gewordene Melodik Bellinis auch experimentierend mit harmonischen und pianistischen Finessen auflädt und hierbei auch aus Gassenhauern und musikalischen Soaps seiner Zeit  dämonisierende Musik formt, geht es bei Brahms 16 "Variationen über ein Thema von Schumann", nämlich aus dessen op 99, um verehrende Hommage auf seinen Förderer, verbunden mit einer liebevollen Zueignungsabsicht gegenüber dessen Frau:  Insofern - das strich Vogt bei seiner Wiedergabe heraus - wollte Brahms eben nicht seine künstlerische Individualität, sondern die kompositorische Eigenart Schumanns und dessen darin eingeflossenen charakterlichen Gegenpole kennzeichnen.  Neben kontrapunktischen, von Begleitfiguren verdeckten Feinheiten und vielfältigen symbolhaften Andeutungen z.B. die Rhythmik aus "Carnaval" in der 12. und 14. Variation, ist auch Schumanns Thema aus Impromptus op 5 für die damals noch jugendliche Clara Wieck mehrfach erwähnt, ehe das Werk in der letzten Durchführung schattenhaft versinkt.  Schumann fiel bekanntlich zum Ende seines Lebens in geistige Umnachtung.  Vogst zeichnete das Werk mit viel Einfühlung.

Als romantische Fortführung des Sonatenwerks von Beethoven wollte Schumann selbst seine Fantasie op 17 verstanden wissen.  Vogt ließ vor allem deutlich werden, wie geschickt und einfallsreich Schumann Beethovens Direktheit und zuweilen schroffe Handhabung mit harmonischen Überraschungen abrundet, ohne allerdings von seinem hohen spieltechnischen Anforderungen abzulassen, und wie er manches insistierend Hämmernde zur offengebliebenen Frage umdeutet und anscheinend bevorstehenden emotionalen Ausbruch zu neuem Ansatz umformt.  Hierbei glückte bei der Phrasierung ein weiter Spannungsbogen.  Dem vollgriffigen Marsch im zweiten Satz, den Vogt ganz in beethovenscher Manier bedeutungsvoll auflud, folgte die träumende Rückerinnerung. Diese wurde wirkungsvoll eingeleitet mit der akkurat und ruhig gehaltenen Kombination von Duolen und Triolen, fortgeführt mit wiederholten "wortgetreuen" Zitaten aus der sogenannten "Mondscheinsonate", die ihrerseits nicht rein elegisch, wie bei Beethoven, sondern verklärend ausgesponnen wurden, und verbunden mit dem auffallend impressionistisch vorahnenden "Herabtropfen" zart hingetupfter Passagen, wohl eine Nachzeichnung des bläulich scheinenden Mondlichts.

Viel Beifall und zwei bezaubernde Zugaben.

Wulf Eggert

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20.5.2007

Flexible Kantabilität bei frappierender Spieltechnik
Klavierabend in der Scheune mit Catherine Gordeladze.

-rt WALDEMS_BERMBACH  Trotz des warmen Frühsommertags hatte der Name der Pianistin Catherine Gordeladze zahlreiche Gäste in die Bermbacher Scheune gelockt. Die Künstlerin, die hier keine Unbekannte ist, hat nach diversen Studien und öffentlichen Auftritten inzwischen eine Dozentenstelle an der Frankfurter Hochschule für Musik angenommen und bei ihrem Spiel inzwischen offensichtlich noch weiteres Profil hinzugewonnen.

Catherine GordeladzeDieser Eindruck drängte sich beim Erleben des jetzigen Programms geradezu auf, das mit drei Beispielen aus Mendelssohns "Lieder ohne Worte" eingeleitet wurde. Obwohl man davon ausgehen mußte, daß sich die Pianistin hierbei noch auf dem Instrument einspielte, vermittelte sie die poetische Prägung im liedhaften Eingang (op. 19, Nr. 1 E-Dur), der auch im komplexer werdenden Rankenwerk der Begleitung spürbar blieb (op 67 Nr. 1 Es-Dur) und ebenso in lyrisch dunkleren Schatten durchschimmerte (op 19 Nr. 5 fis-moll). Geradezu elektrisiert wurde man jedoch von den beiden Haydn-Sonaten D-Dur (Hob XVI/37) und Es-Dur (Hob XVI/52), beide konzertant vom Komponisten in Höhepunkten seiner Schaffenszeit aufbereitet. Sprühend übermütig die Spielfreude, gesteigert bis zum musikalischen Witz, mit dem nachdenklichere oder nach innen gehende Seiten in den Ecksätzen hinweggefegt und die überraschenden Rückungen der Hornquinten eingeschoben wurden. Auch der machtvolle Einsatz der Es- Dur Sonate läßt dennoch viel Platz für spritzigen Esprit, perlendes Laufwerk und für die Raffung der Figuration, die Gordeladze bis sie zum leicht hingetupften Verzierungsschörkel schrumpfen ließ, ein Eindruck, den das außergewöhnlich flott gewählte Tempo noch verstärkte. Frappierend hierbei der lockere, jedoch stets treffsichere Anschlag, während man zu beobachten glaubte, daß die Spielerin das alles aus dem stets elastischen Handgelenk schüttelte. Als Kontrast der sarabandenhaft schwingende Mittelsatz der ersten und das allmähliche Nachlassen thematischer Nachdrücklichkeit bis zum flageoletthaften Nachklang das Adagio der zweiten Sonate. Trotz stellenweise virtuoser Anforderungen in den gewählten Beispielen von Chopins Impromptus - As-Dur op 29, Fis-Dur op 36, Ges-Dur op 51 und das populäre, von Chopin allerdings selbst als banal bewertete cis-moll op 66 - blieb der Anschlag stets geschmeidig-weich und von kantablem Charakter, Ketten von rascher Brillanz wie im As-Dur oder cis-moll-Impromptus wirkten wie perlende Reihungen, nichts Auftrumpfendes bei aller Steigerung wie im stellenweise balladesken Fis-Dur und bei aller zuweilen schockhafter Modulation auch keine eckige Gespreiztheit oder showmäßiges Demonstrieren, sondern die gesamten Ausführungen stets dem Gedanken unbeschwert frei sich entfaltender Freizügigkeit untergeordnet: Eben sanfte und keine rauschhafte Ekstase.  Zum Abschluß zwei Transkriptionen Sergej Rachmaninows, thematisch angesiedelt im rein Unterhaltsamen, aber reichhaltig mit viel pianistischen und technisch äußerst anspruchsvollen Finessen der Ausschmückung und Variation bis zur Verfremdung durchsetzt. Die Pianistin ließ dabei dennoch beim Zuhörer die Illusion der spielerischen Leichtigkeit entstehen.

Langer Beifall und das Andenken an den verstorbenen Jürgen Bartholomay führte zu zwei Zugaben, eine davon, glöckchenhaft im Diskant gehalten, ließ an Spieluhrenmusik denken.

Wulf Eggert

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22.10.2006

"Zwei Seelen trag ich, ach, in meiner Brust"
Die "Davidsbündler" als Gedenkkonzert für Jürgen Bartholomay in der Scheune.

-rt  Am 28.10.2006 verstarb überraschend Jürgen Bartholomay, künstlerischer Mitinitiator des "Bermbacher Scheunen-Spectaculums", das u.a. mit Konzertangeboten seit Jahrzehnten an die Öffentlichkeit trat.  Als Gedenkkonzert für ihn gestaltete der kanadische Pianist Bruce Vogt, jahrelang mit Familie Roth/Bartholomay freundschaftlich verbunden, seinen Klavierabend vor der zahlreich erschienenen Konzertgemeinde.

    Für die kulturellen Initiativen der Scheune war seit jeher der imaginäre "Davidsbund" maßgebend, mit dem Robert Schumann ästhetisch als Redakteur der "Neuen Zeitschrift für Musik" Position gegen spießige "Philister" wie ein "David gegen Goliath" bezog.  Die "Davidsbündler Tänze" op 6 des Komponisten tauchten daher wiederholt in den vergangenen Programmen der Scheune auf.  Jürgen Bartholomay hatte sich intensiv mit den Stücken auseinandergesetzt, worin Schumann sein Ego in zwei Kunstfiguren spaltet, den stürmisch-dämonischen Florestan und den ausgeglichen-freundlichen Eusebius, und schließlich für Bruce Vogt das Cover für dessen CD-Einspielung entworfen.

 Beim Klavierabend bezog sich Vogt auf die erste Fassung der Tänze, in denen die beiden Figuren, deren Name die 18 Einzelsätze im Wechsel kennzeichnet, noch sehr schroff gegeneinander stehen und mehr von der gespaltenen und gleichwohl poesievollen Persönlichkeit Schumanns preisgeben als die zweite in Richtung Mendelssohn geglättete.  Bruce Vogt gelang eine im ganzen packende Charakterisierung des Zyklus, wobei er die verschiedenen Temperamente in ihrer einerseits schelmischen, zuweilen verquer exaltierten und stürmisch drängenden Prägung der Melancholie, dem liedhaftem Schwingen und innig zarten Ausdruck gegenüberstellte und im nachklingend-sinnenden Echo das Werk pianissimo enden ließ.  Applaus kam erst nach längerer Stille im beeindruckten Publikum auf.
Zweipolig im schillernden Pendeln zwischen Moll und Dur auch W.A. Mozarts schwermütiges Rondo, a moll, KV 511, aus dem Vogt gefasste Trauer hinter dem vordergründigen graziösen Spiel der Motive spüren ließ.  Die
 Beispiele aus Franz Schuberts "Moments Musicaux", op 94 - hier das verhalten signalhafte, harmonisch kühne in C-Dur, das gewichtig sich steigernde in cis-Moll und das zum  gewaltigem Fortissimo- Akkordausbruch führende Allegretto in As-Dur erschienen auch als Spiegelungen einer vielschichtigen Seele.  Wie ein harfenumrauschter Hymnus in höchster meditativer Verzückung klang Franz Liszts "Bénédictione de Dieu dans la solitude" auf, worin bildhaft Emporbrandendes von den Diskantstimmen beantwortet wird und sich das Thema immer mehr bis zur religiösen Ekstase zu steigern scheint.  Ob in solcher Mystik Trost gefunden wird?  Bruce Vogt lässt jedenfalls nach langem Beifall Feruccio Busonis Transskription von Bachs "Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ" aus dem Orgelbüchlein zum Ausklang folgen.

Wulf Eggert

 

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22.10.2006

Feinstoffliche Nachtmusik
Rainer Dimmlers andersartige akustische Welt in der Scheune.

-rt WALDEMS_BERMBACH  Als "übersternte Stille" bezeichnete dieses Mal Rainer Dimmler, der schon mehrfach in der Scheune zu Gast war, sein Konzertangebot. Zwei seiner ehemaligen Schüler und er bedienten dabei eine Fülle von im Konzertbetrieb unüblichen Instrumenten: Alle Arten von Großbass- bis Sopraninoblockflöten, Dulcimer, also ein mittelalterliches Rohrblattinstrument, Tenorfiedel, klassische Gitarren, Hackbrett und zwei Ausführungen der Cheng, der sog. Chinaharfe. 

Titel wie "Am Meeresufer endloser Welten", "Orientalischer Traum" oder "Morgenlandfahrer" kennzeichnen treffend die Charakteristik Dimmlerscher Kompositionen. Ihnen haftet sämtlich etwas esoterisch Schwebendes an, das sich nur sehr schwer einem bestimmten Musikstil zuordnen läßt. Melos und Harmonik wirken ungerichtet und undramatisch, lassen jede "Erdschwere" herkömmlicher Musik vermissen, die Gitarren durchsetzen die zumeist langgezogene Flöten- und kontrapunktierende Fiedelklänge mit feinnervigem rhythmischen Filigran, Schlichtheit und 
Komplexität paaren sich in einzigartiger Wirkweise und ehe sich der Zuhörer versieht, wendet sich beim Hören seine Aufmerksamkeit auf die eigenen Innenzustände: Man wird ruhiger, läßt das musikalische Geschehen auf sich einwirken, anstatt es bewußt "zu verfolgen", fühlt sich davon getragen und beginnt, so von alltäglicher Beanspruchung entrückt, sogar stellenweise zu meditieren. Dimmler hat diese Stücke "ausnahmslos in stillen Nächten" geschrieben und damit auch ein Stück dieser Atmosphäre zum Hörer transportiert, die ihn abschalten läßt: "Diese stillen Nächte mit ihren verspielt funkelnden und doch ernsten Sternen, mit dem Zauberlicht des Mondes und den Tiergeräuschen des Waldes bringen uns Gedanken, Gefühle und Töne, die wir am lauten geschäftigen Tag ignorieren. Sie spiegeln auf träumerische Weise unser Leben wider- oder ist des umgekehrt?" Stück für Stück baut Dimmler die Aufnahmebereitschaft für diese Musik auf, bis man "Am Grunde der Stille" und "Verzeihen" auch in der Lage ist, sich mit den geheimnisvoll ätherischen Klängen der Cheng auf Traumreisen zu begeben. Das Instrument besteht aus einem langenschmalen gewölbten Holzkorpus - die Wölbung als Symbol des Himmels und der flache Boden als Erde. Die fünfzehn darüber gespannten Metallsaiten auf beweglichen Stegen sind in der Tonhöhe einstellbar - man kann auf ihnen Vibratoeffekte erzeugen - und meist in der Abfolge der pentatonischen Skala gestimmt. In der Kombination mit dem Hackbrett lassen sich neben Harfenrauschen, das wie vom Wind erzeugt scheint, feinste vibrierende Nuancierungen und Klangabstufungen erreichen, die dem Hörer eine Ahnung von sphärischen Harmonien als kosmischer Grundordnung vermitteln, in die er nicht nur eingebunden sondern worin er auch beheimatet ist. Somit qualifiziert sich Dimmlers Musik - und darin liegt auch ihre Suggestivkraft - als ein Mittel der Rückführung aus entfremdenden Zwängen zu sich selbst und dem Grund des Seins, das Anliegen der taoistischen Philosophie, das auch der Chengmusik zugrunde liegt.

Viel Beifall und sinnvollerweise keine Zugabe.

Wulf Eggert

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15.Juli 2006

 Vorspiel mit Beifall und gelben Rosen.

Schülerkonzert der Klavierklasse Akiko Bock in der Bermbacher Scheune. 

WALDEMS_BERMBACH  Als Klavierpädagogin gilt Akiko Bock längst als Geheimtipp. Sie versteht es ausgezeichnet, ihre Schüler angstfrei und dauerhaft zu motivieren und mit den steigenden Erfolgen sie auch in ihrer musikalischen Persönlichkeit allmählich wachsen zu lassen. Es geht letztlich darum, anzuleiten, sich auf dem Instrument anhand von wichtigen und wertvollen Literaturvorlagen individuell auszudrücken und dabei Freude zu empfinden. Dementsprechend wird auch die unvermeidliche Technik des Klavierspiels vermittelt, notfalls auch mal zur flankierenden Unterstützung mit Etuden, vor allem den von Akiko Bock geschätzten von Czerny. Kein Erfolg ohne Arbeit – zum regelmäßigen Üben muß man bereit sein; und keine zureichende Einschätzung des erreichten eigenen Könnens und der persönlichen Belastbarkeit ohne regelmäßiges quasi „öffentliches“ Vorspiel vor anderen Schülern und deren bzw. eigenen Angehörigen.

Dazu hatte die Bermbacher Scheune Akiko Bocks Klavierklasse eingeladen, zu der Grundschulkinder ab sieben Jahren ebenso zählen wie betagtere Senioren bis Mitte siebzig, die entweder ihre früheren Fähigkeiten wieder auffrischen oder noch hinzulernen wollen.  Die Teilnahme war jedoch ins Belieben gestellt; allerdings waren viele Schüler daran interessiert, den „Ernstfall“ einfach mal zu erleben, wozu es eben notwendig ist, sein Spielstück wirklich „einverleibt“ zu haben.  Zur Kindergruppe zählten Julia Mirgel, Janimo Berg-Haas, Emily Hensch, Franka Altmann und Sarah Mirgel, die ihre kurzen klassischen, aber auch zeitgemäßeren Stücke, auch mal vierhändig mit einer anderen Schülerin oder der Lehrerin, im wesentlich eingängig und recht lebendig vorzutragen wußten, frei von Aufregung und offensichtlichem Spaß, oder wie sollte man es verstehen, wenn  eine Schülerin wünschte, noch ein weiteres Stück als „Zugabe“ draufzugeben.  Bei den jugendlichen Spielern war diese unbekümmerte Unbefangenheit alterstypisch nicht mehr selbstverständlich.  Hanne Siewek, Joshua Miller, Sophia Schreiber und Romain Gärtner hatten dazu auch noch anspruchsvollere Literatur zu bewältigen.  Trotzdem bemerkte man hier, vielleicht auch deswegen, weil nicht mehr einfach drauflosgespielt wurde, viel mehr eine auf die einzelnen Stücke zugeschnittene Subtilität des Anschlags.  Drei Senioren hatten sich ebenfalls dazu gemeldet.  Winfried Gärtner und Wulf Eggert trugen einen Klavierkonzertsatz aus der Wiener Klassik in Bearbeitung für zwei Klaviere vor; Winfried Gärtner übernahm hier den Solopart.  Wulf Eggert steuerte ein längeres Stück aus dem französischen Impressionismus bei und als krönenden Abschluß spielten Helga Forssman mit Akiko Bock eine klassische Sonate für vier Hände, zwei rasche Sätze, lebendig und durchaus packend.

Selbstverständlich gab es viel Beifall von den sichtlich auf die Fortschritte stolzen Angehörigen, und für alle, die aktiv am Klavier mitgewirkt hatten, gelbe Rosen.

Wulf Eggert

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Für die Interessierten hat uns Herr Wulf Eggert einige "handverlesene" Zeichnungen von seinem Besuch in Thailand freundlicherweise zur Verfügung gestellt (bitte antippen).

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 9.Juli 2006

Sommernachtstraum“ mit vielen Geistern

Rückblicke auf 25jährige Spieltradition der Bermbacher Scheune. 

-rt WALDEMS_BERMBACH   Das diesjährige Sommerfest, das 25jähriger seiner Art, hatte ideale Wetterbedingungen.  So konnte der Besucher bereits im Vor- und Innenhof wieder modische Seidenmalerkreationen von Angela Latta bewundern und sich in die bemalten Blumenmotive in prall-lebendige Farben vertiefen, ehe er sich im Garten auf bereitgestellten Bänken vor der von Schreinermeister Guckes holzgezimmerten „Freilichtbühne“ niederließ und von Anselm Friedel mal als Moderator, mal als allseits dienernder Hofmeister durch das schauspielerische Allerlei aus vergangenen Jahren geführt wurde. 

Editha Roth hatte hierzu das Kunststück fertiggebracht, in die Szenen aus Shakespeares „Sommernachtstraum“ auch Lustspielszenen aus Moliéres „Gelehrten Frauen“ und der Brautnacht Brunhildes aus den ebenfalls von ihr satirisch aufgepeppten „Nibelungen“ einzubauen; sozusagen fremde, aber narreteiverwandte Geister in der  verwunschenen Welt Oberons (Anselm Friedel), des quecksilbrigen Troll (Alina Göres), der liebestrunkenen Titania (Anke Dambek) und ihrem geliebten Esel (Sören Hadaschik).  Bei den „Gelehrten Frauen“ glänzten vor allem die sich vor Philamente (Heide Clauder) angiftenden Dichtersnobs (Stephan Oeking und Sigrun Clauder-Schwartz) und im nächtlichen, nicht gerade zärtlichen Tête-à-tête zwischen kraftvoller Brunhilde (Norbert Reischmann) und hilflos besitzergreifendem Gunther (Wolfram Böcking von Böltzig) gab’s Zwerchfellerschütterndes, ebenso wie bei den wiederum im Handlungsgefüge des „Sommernachtstraums“ ablaufenden Spielszenen der Handwerker zum moritatenhaften Drama zwischen Pyramus (Sören Hadaschi) mit feisten Rotbäckchen und in Pip-Langstrumpfmanier zopfbehangener und maskenhaft verschönter Tispe (Jürgen Bartholomay), deren zärtliches Stelldichein unter dem Mond (Heide Clauder) von Wand (Moritz Roth) behindert und brüllendem Löwen (Sigrun Clauder-Schwartz) gestört wird.  Weitere Mitspieler wrkten mit, so die Elfen und insbesondere bei der Einleitung der Sommernachtsträume bei den Paaren Lysander/Demetrius und Hippolytha/Helena, an denen Oberon seine Aphrodisiaka zuerst ausprobiert.  Mit schwungvoll zauberhaften orentalischem Tanz beeindruckte Marion Hourle und das Gitarren-Flöten-Duo Krafft-Bethge umrahmte mit passendem Ohrwurm, eben einer der vielen Bearbeitungen von „La Folia“.

Eigenwillig und mit vielen sprachlichen Gags versehen die kabarettistische Einlage von Bettina Roth, die zuvor als Souffleuse einiges zu tun hatte, und Anke Dambek zur Frage „Wozu Kinder?“ mit Seitenhieben auf künstliche oder natürliche Befruchtung mit dem optimalen „physiologischen Koproduzenten“.

Mit Liedvorträgen zu Thema „Leben, Liebe, Tod“ von Norbert Reischmann, Hildegard Gathof und Stefan Oeking, die sich mit Gitarre, Mundharmonika und diversen Percussionsinstrumenten begleiteten, klang die Veranstaltung aus.

Selbstverständlich gab's zwischendurch auch Pausen, in den man sich mit den vielfältigen Kuchen und Getränkeangeboten befassen konnte.

Wulf Eggert

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19.März 2006  

Kompositionen eines Kindes

Polnisches Duo mit Werken von Chopin und Mozart in der Scheune 

-rt  WALDEMS_BERMBACH  Beim Publikum der Bermbacher Scheune mag man Chopins populäre Klavierwerke schon unzählige Male gehört und sich dabei zur Zeit übliche Auffassungen angeeignet haben – bei Teresa Kaban mußte man sich neu orientieren.  Die Absolventin der Musikakademie Krakau, die auf ein reichhaltiges Konzertleben von Europa bis in den fernen Osten zurückblickt, liebt zwar die schroffen Kontraste, wie zu Beginn beim Nocturne F-Dur zwischen jähen stürmischen Einbrüchen und pastoraler Idylle deutlich wurde, näher liegt ihr aber der Komponist der leisen verhaltenen Musik, was sie bei den vier gezeigten Beispielen der „Préludes“ op zeigte:  Ein sanfter Anschlag unterstützte mit zum Teil eigenwilligen Rubati eine Aussage, die hinter dem Auftrumpfen, wie es später wieder bei der Polonaise As-Dur op 53 sichtbar gemacht wurde, die verhangene, um nicht zu sagen leicht depressive Nachtseite des chopinschen Charakters hervortreten ließ, vor allem bei den Préludes e-moll und h-moll, oder sich im Walzermotiv – Prélude A-Dur - als nachtrauernder Wiederhall eines längst entschwundenen schönen Ereignisses auffassen ließ.  Gerade dort, wo der sensible Umgang mit der Tastatur gefragt war, entfaltete Teresa Kaban  ihre pianistischen Stärken, während da, wo griffig-profilierte Prägnanz nötig war, zuweilen doch Wünsche offen blieben.  Dem versagte sich offensichtlich nicht nur der manchmal fast schon klirrend reagierende Flügel; es traten zuweilen auch mühsam kaschierte Unsicherheiten auf, die die beabsichtigte plastische Formung leider unterliefen, wie vor allem im Impromptus As-Dur, op 29.

Daß der Klavierklang um so aussagekräftiger wurde, je einfühlsamer die Pianistin de Anschlag handhabte – deutlich konnte man dies nochmals bei Chopins cis-moll Phantasie op 66 beobachten - bewährte sich gerade auch bei W.A. Mozarts sog. Kindheitssonaten, KV 10 bis 14, die dieser im Alter von etwa acht Jahren nicht unbeeinflußt von Joh. Christian Bach während seines Londoner Aufenthalts verfaßte.  Der Flötist Henryk Blazej, mit dem die Pianistin schon jahrelang zusammenarbeitet, brillierte hierzu in äußerster Beweglichkeit bei gleichzeitig sehr zurückhaltender Tongebung und dennoch stets sicherer Akzentuierung.  Die Sonaten sind zunächst mit auffallend einfachen harmonischen Mustern und viel ornamentierendem Zierrat gearbeitet, weisen aber  zunehmend melodische und konzeptionelle Kühnheit auf, z.B. in der F-Dur Sonate KV 13, und zeigen so anschaulich, daß Monzart als Künstler schon sehr früh aus kindlicher, handwerklich nachahmender Schlichtheit herausdrängte. Beide Instrumente wechseln ständig die führende und begleitende Rolle, was den Reiz beim Anhören zusätzlich erhöhte.  Hinzu kam der sorgsam modulierte Klang der Wiedergabe, während der man bruchlos zusammenging und die neben dem Interesse im mitgehenden Publikum auch einige Begeisterung weckte.  Der Beifall war entsprechend ausdauernd, den man wiederum mit zwei Zugaben dankbar quittierte.

Wulf Eggert

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7.Juli 2005

Sommerfest 2005 in der Scheune – ein Fest für die Sinne! 

Unser Jubilar Jürgen Bartholomay wurde gebührend gefeiert – und wie! Helfende Hände mussten die vielen Geschenke die Treppe hinauf tragen, und dann bekam er so allerlei von der Bühne hinab zu hören.  Bettina rollte sein Leben der letzten 35 Jahre auf, und Freunde wechselten sich bei einer weiteren Eloge ab. Der  Bermbacher Frauenchor brachte Ständchen – sehr gekonnt und gut intoniert. 

Da die Tische sich nur so unter den vielen leckeren Kuchen bogen, und die meisten von uns dieser Versuchung nicht widerstehen konnten,  brauchte es seine Zeit, bis wir dann das mit Spannung erwartete orientalische Märchen der Editha Roth erleben durften. 

Vor den sehr eindrucksvollen und farbigen Kulissen (vom Jubilar selbst mit links gemalt!) entspann sich die wunderschöne Geschichte „Das Geheimnis der Perle“  - wir wurden von dem orientalischen Ambiente, den Künstlern und den prächtigen Kostümen regelrecht verzaubert. Dazu die tänzerischen Einlagen des Feuervogels zu den Trommelklängen. Eine rundum gelungene Inszenierung mit gekonnten Märchen-Texten. Ach, wenn das wirkliche Leben doch auch so einfach wäre... 

Katrin Ehrlich

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31 Mai 2005 


Es war ein großer Genuss, diese drei jungen Musiker in der Scheune erleben zu dürfen. Das zweisätzige Haydn Trio zu Beginn wurde verhalten und mit großer Intensität dar gebracht. Nachdem sie den Mendelssohn vom Programm gestrichen hatten, (ebenso wie später die Grete von Zieritz), wurde der Weber mit viel Verve und Einfühlungsvermögen - besonders des Schäfers Klage - gespielt. Nach der Pause zeigten Pianist und Cellist mit einer Sonate von Debussy, wie harmonisch ihr Spiel aufeinander abgestimmt ist. Das absolute highlight des Nachmittags aber war die "Vox Balaenae for three masked players" von George Crumb (wegen der heißen Temperaturen an diesem Tag leider ohne Maske!) Da hier keine elektronischen Instrumente zur Verfügung standen, haben die drei Musiker sich allerhand einfallen lassen, um ungewöhnliche Klänge zu produzieren. Der Flötist Eric Lamb fing damit an, dass er in seine Flöte zusätzlich seine Singstimme einbrachte. Der Flügel wurde geöffnet und der Klang mit Gegenständen wie z.B. einer Schlüsselkette auf den Saiten verfremdet. Sowohl Flöte wie Cello sind ja besonders für Experimente mit der modernen Klangwelt prädestiniert, und die beiden Spieler nutzten die ganze Palette, die ihnen zur Verfügung stand.

Natürlich gab es viel Beifall - und der wurde dann noch mit einem Trio von Piazzolla belohnt.
 

Freundliche Grüße -

Katrin Ehrlich+++

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